Willi Nitzbon
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Willi Nitzbon
2003

 

Geboren wurde Willi Nitzbon am 4. Dezember 1930 in Datteln. Er war das zweite von insgesamt drei Kindern und einziger Sohn des Bergmanns Karl Nitzbon und dessen Ehefrau Rosalie. Hier wuchs er mit seinen beiden Schwestern Inge und Edith auf und verbrachte auch den größten Teil seiner Jugend in der Kanalstadt.

Dass Willi Nitzbon von Gott mit außerordentlichen Talenten ausgestattet worden war, zeigte sich schon in seiner Kindheit. Er war ein hervorragender Schüler, ehrgeizig und fleißig. Auch seine künstlerische Neigung war schon früh offensichtlich, bereits als Kind malte und zeichnete er sehr viel, hingebungsvoll, ausdauernd und bemerkenswert gut. Auch seine besondere Musikalität bewies er im Gitarrespiel und Gesang schon in früher Jugend. Stolz erzählte er später davon, dass er als junger Mann in einer eigenen Band Gitarre spielte und sang, dem Trio „Binikles“, das damals in den Gaststätten rund um Datteln erfolgreich für  Unterhaltung sorgte.

Beruflich erlernte er nach dem Krieg, auch beraten durch seinen Vater, zunächst das Malerhandwerk. Bereits als Lehrling zeigte er sehr schnell, dass er mehr mitbrachte als handwerkliches Geschick. Jede Möglichkeit, die sich ihm bot, seine eigentliche, künstlerische Begabung unter Beweis zu stellen, nahm er gerne wahr und so gelang es ihm, sich schnell „einen Namen zu machen“ und ungeliebteren Arbeiten zu entkommen.  

Dennoch war Willi Nitzbon sich darüber im Klaren, dass diese Ausbildung nicht seine letzte sein konnte. Er wollte Kunst und Malerei studieren, eine Ambition, deren Umsetzung doch das Überwinden einiger Hürden erforderte, schulische Qualifikationen verlangte, die er aufgrund der Kriegssituation bisher nicht erreicht hatte und auch für seine Eltern eine finanzielle Schwierigkeit darstellte.

Mit mehreren Stipendien und mit der Überzeugung, all diese Hürden selbst konnte er ein so kraftvolles und schöpferisches Leben führen

 meistern zu können, brach Willi Nitzbon mit 19 Jahren auf in ein zu diesem Zeitpunkt noch stark zerstörtes München. Selbstbewusst, zielstrebig und fleißig holte er zunächst unter zum Teil sehr schweren Bedingungen (zeitweise hatte er nicht einmal einen eigenen Schlafplatz) am Abendgymnasium sein Abitur nach, wobei er tagsüber mit Malerarbeiten und auch künstlerischen Tätigkeiten dazuverdiente um seinen Lebensunterhalt sichern zu können.

In den Jahren 1950 bis 1956 studierte er dann Malerei und Grafik in Lemgo, Detmold und München. Er selbst verband viele schöne Erinnerungen mit diesem Lebensabschnitt und pflegte auch seine damals geschlossenen Freundschaften Zeit seines Lebens. Auch mit Blick auf eine sichere berufliche Zukunft, schloss er weitere 4 Jahre des Studiums der Fächer Pädagogik und Kunstgeschichte an der Münchener Universität an. Wie sehr er sich mit seiner Münchener Zeit identifizierte und wie sehr er auch an der landschaftlichen Schönheit Bayerns hing, zeigt sich in vielen seiner Grafiken und Malereien. Viele Urlaube wollte er auch zukünftig hier verbringen. Auch wählte er bewusst München als den Ort aus, an dem er 1962 die kirchliche Trauung mit seiner Frau Hannelore feierte.   

Als 1965 seine erste Tochter Renate zur Welt kam, wohnten Willi und Hannelore Nitzbon in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung in Herten Scherlebeck. Zwei Jahre später, 1967, wurde die zweite Tochter, Elke, geboren.

Erst vier Jahre danach zog Willi Nitzbon mit seiner Familie in sein Haus in Horneburg. Mit sehr viel Kraftaufwand, jahrelangem Verzicht und eigenem Einsatz hatten Willi und Hannelore das schöne große Wohnhaus erbaut, voller Stolz bezogen sie ihr neues Heim, dessen Fassade er in den folgenden Jahren kunstvoll bemalte.

Seine Lehrtätigkeit an den Gewerblich-Technischen Schulen in Recklinghausen hatte Willi Nitzbon 1960 angetreten. In den 35 Jahren seiner Dienstzeit arbeitete er in unterschiedlichen kunst- und gestaltungspädagogischen Ausschüssen, die der Vorbereitung und Entwicklung der Fachoberschule für Gestaltung an Kollegschulen in Nordrhein Westfalen dienten. Er selbst baute die Abteilung für Kunst und Gestaltung an der Kollegschule Recklinghausen auf und übernahm deren Leitung für viele Jahre. Zudem arbeitete er als pädagogischer Fachleiter der Fachoberschule für Gestaltung.

Er war ein passionierter und erfolgreicher und zugleich karrierebewusster Lehrer, unterrichtete mit Hingabe, Ehrgeiz und Optimismus. Nicht nur seine ehemaligen Schüler haben immer wieder hervorgehoben, wie viel und wie gerne sie von ihm gelernt haben, nicht zuletzt auch deshalb, weil er über ein immenses Wissen und künstlerisches Können verfügte und es auf einzigartige Weise verstand, seine eigene Begeisterung für die Kunst zu vermitteln und weiterzugeben. Dabei forderte er aber nicht nur von sich selbst, sondern auch von seinen Mitmenschen immer Leistung und Disziplin.

Alle haben ihn als starke Persönlichkeit gekannt, einen Menschen mit Präsenz, jemand, den man wahrnahm, der wortgewandte Vorträge halten konnte und in Diskussionen gern und kompetent die Führung übernahm. Sprache und Ausdruck waren ihm dabei sehr wichtig, er legte sehr großen Wert auf Bildung in allen Bereichen, auf tiefgründige Gespräche und überlegte Wortbeiträge.

Dabei liebte er es, unterschiedlichste Gesprächssituationen durch Zitate oder Spruchweisheiten aufzulockern. Gerne griff er zurück auf die ernsten Weisheiten alter Meister  wie Leonardo da Vinci, ebenso gerne zitierte er aber auch die lockeren Reime seines „Lieblingsdichters“ Wilhelm Busch.

Die Lehrerrolle hat Studiendirektor Willi Nitzbon auch nach seiner Pensionierung nie ganz abgelegt, wie häufig leitete er seine Beiträge mit den Worten „Jetzt passt mal auf...“ ein, verfügte dann aber auch über die Gabe, über sich selbst zu lachen.

In erster Linie sah Willi Nitzbon sich selbst als Künstler, der stets den regen geistigen Austausch mit anderen Menschen suchte. Wie jeder Künstler, so brauchte auch er die Anerkennung seiner – wie er auch selbst reflektiert hat -enorm umfangreichen Lebensleistung.

Neben zahlreichen Malereien an und in öffentlichen Gebäuden im Kreis Recklinghausen, zum Beispiel

im Hallenbad in Recklinghausen Süd

in der Schule an der Heinrichstraße in Recklinghausen

im Marie-Curie-Gymnasium in Recklinghausen,

im Begegnungszentrum der Markomannenschule in Recklinghausen-Suderwich,

im Hotel Loemühle in Marl,

in der Pestalozzischule in Herten,

in der Feuerwache in Recklinghausen-Hochlar

und nicht zuletzt sein wohl umfangreichstes Werk, in der Kirche St. Franziskus in Recklinghausen Stuckenbusch, deren gesamten Innenraum er über mehrere Jahre im byzantinisch-romanischen Stil ausmalte,

stellte Willi Nitzbon die zahlreichen Malereien und Grafiken seiner unterschiedlichen Schaffensperioden über Jahre in vielen großen Ausstellungen mit immer neuen Themen aus:

1992 unter dem Thema „Malerei und Grafik“ in der Kreissparkasse Datteln

1995 „Visionen“ im Prosper-Hospital Recklinghausen

1995 „Sakrale Kunst“ in St. Franziskus, Recklinghausen-Stuckenbusch

1995 „Impulse“ im Elisabeth Hospital in Herten

1995 „Aspekte“ in der Stadtsparkasse Recklinghausen

1997-98 „Interpretationen in der Rathaus-Galrie in Datteln

2000 „Begegnungen“ in der Sparkasse Datteln

Während seiner Dienstzeit an der Kollegschule an der Kemnastraße präsentierte er in zahlreichen Ausstellungen Kunst und gestaltungspädagogische Arbeiten der Fachoberschule für Gestaltung Recklinghausen, zum Beispiel:

1973 im Kultusministerium Düsseldorf

1974 und 1993 in der Stadtsparkasse Recklinghausen

1975 im Gebäude des Regierungspräsidenten in Münster

1976 in der Kunsthalle in Recklinghausen

Auch umfangreiche Restaurationsarbeiten, das Schreiben von Kunstschriften, Vergoldearbeiten, die Gestaltung von Siegeln und Jubiläumskerzen waren Teil seiner Arbeit für Städte und Gemeinden.

In Horneburg restaurierte er liebevoll die alten Kirchenfiguren und war verantwortlich für ihre neue Präsentation auf eigens entworfenen Altären, er schrieb die Urkundenrollen für die Grundsteinlegungen des Pfarrheimes und des neuen Kindergartens, er entwarf das schöne Kirchensiegel für die Gemeinde und gestaltete den Einband sowie mehrere Grafiken für die Festschrift der 600-Jahr-Feier. Auch der schöne Maibaum trägt seine Handschrift und sein letztes künstlerisches Projekt, die Madonnengrotte neben der Kirche, wird hier immer an ihn erinnern.

In Recklinghausen-Stuckenbusch gestaltete er außerdem die Festschrift zur 75-Jahrfeier der Klosterkirche, entwarf das Siegel der Gemeinde und führte auch die beweglichen Hintergrundmalereien zur Weihnachtskrippe aus.  

Willi Nitzbon war ein lebensbejahender Mensch, der gerne laut lachte und feierte und auch in Horneburg einen dementsprechend großen Freundes- und Bekanntenkreis hatte. Hier zu leben war für ihn ein Stück Lebensqualität und so nahm er von Anfang an auch am Dorfleben aktiv teil. Er war langjähriges Ehrenmitglied des Bürgerschützenvereins; natürlich trat man zu unterschiedlichsten Anlässen auch immer wieder gerne an ihn heran, wenn es darum ging, etwas zu entwerfen, eine künstlerische Idee zu entwickeln oder auch nur hilfreich-gestaltend zur Seite zu stehen. Und hilfsbereit war Willi Nitzbon immer.

Wenn er etwas anfing, dann führte er es auch aus, und zwar mit aller Gründlichkeit und Perfektion. Nicht selten wurde so aus einer kleinen Hilfestellung ein Großprojekt. Er selbst kommentierte dann oft: „Ich mag eben keine Halbheiten.“ Obwohl er eigentlich nie Zeit hatte, brachte er sein Können doch auch gerne ein, wenn er z.B. die Hintergründe für die Bühne des Festzelts zum Schützenfest malte, oder ein Türschild für das Stammlokal der 1. Kompanie des Schützenvereins, oder indem er mit viel Aufwand den Festwagen der Gärtner für die 600-Jahr-Feier entwarf.  

Willi Nitzbon liebte die Bühne, er genoss öffentliche Auftritte. Seine ehemaligen Kollegen werden sich gerne an die zahlreichen Feste in der Schule erinnern, zu deren Anlass er nicht nur die Saaldekoration übernahm, sondern immer auch selbst singend und Gitarre spielend auf der Bühne stand.

Sein Motto war „Die Kunst liegt im Weglassen“, und oft sagte er „Ich kann doch nicht alles machen.“ Aber Willi Nitzbon hat doch außerordentlich viel gemacht.

Er war ein sehr vitaler Mensch mit unermüdlichem Schaffensdrang. Dank seiner Vitalität, die sich über Jahre hinweg auch in seinem für sein Alter jugendlichem Äußeren widerspiegelte, konnte er ein so kraftvolles und schöpferisches Leben führen – wie gerne kokettierte er mit seinen fülligen schwarzen Locken und seinen einwandfreien Zähnen. – Er versprühte viel Energie, war ein Organisationstalent und auch ein Kämpfer.

In seinem Leben gab es neben vielen Höhepunkten auch schwere Zeiten. Als er zu Beginn der 90er Jahre die Nachricht erhielt, dass er vermutlich sein Augenlicht verlieren würde, kam Willi Nitzbon an seine Grenzen, verlor beinahe den Lebensmut und wusste nicht, wie er, der Künstler, der Naturliebhaber und leidenschaftliche Fotograf dieses Schicksal ertragen sollte. Dank der modernen Medizin und mehreren Augenoperationen konnte er das Schlimmste jedoch abwenden.

Der schwerste Schicksalsschlag traf die ganze Familie 1996 mit dem  plötzlichen Tod seiner Ehefrau Hannelore, die ihm über 30 Jahre lang treu und liebevoll zur Seite gestanden, die seine Arbeit unterstützt und begeleitet und ihm immer den Rücken für die Verwirklichung seiner künstlerischen Wege freigehalten hatte.

Keiner hätte erwartet, dass er sie nur um weitere 10 Jahre überleben würde, war er doch gesundheitlich insgesamt wieder in starker Verfassung. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass er immer diszipliniert und gesund lebte,  immer dem Motto folgte „Nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist“. Ernährung und Bewegung waren ihm äußerst wichtig, er fuhr gern Fahrrad, ging viel und ausdauernd schwimmen und spazieren und im geselligen Kreis seiner Freunde auch regelmäßig kegeln.

Er hat viel erreicht, hat häufig allen getrotzt, hat im Alter von 50 Jahren noch das Skifahren erlernt, hat bis zum vergangenen Sommer noch alle Arbeiten am Haus und im Garten selbst verrichtet – auch,  „weil es ja niemand so gut konnte wie er“.

Diese Beharrlichkeit und Dickköpfigkeit war es schließlich, was ihm am 12.August 2005 zum Verhängnis wurde, als er beim Beschneiden seiner Magnolie aus 5 Metern Höhe fiel und sich schwerste Verletzungen zuzog. Mit einem enormen Lebenswillen und ungeheurer Selbstdisziplin trotzte er auch den schweren Folgen dieses tragischen Unfalls, es gelang ihm – unter enormem Krafteinsatz, entgegen erster Prognosen sogar, wieder auf seinen Beinen zu stehen und selbständig zu laufen. Entgegen allen Erwartungen überstand er diesen Unfall und akzeptierte die daraus resultierenden körperlichen Einschränkungen. Leider konnte er sich dennoch nicht mehr vollständig erholen und erlag am letzten Samstag nach langem Kampf und Leiden seiner schweren Leberkrankheit.  

Neben seinem einmaligen künstlerischem Werk hinterlässt Willi Nitzbon viele Erinnerungen an ein sehr reiches Leben: reich an Erfolg, an Arbeit und schöpferischem Tun, reich an Freunden, an Bewunderung, an schönen Erlebnissen, aber auch reich an Liebe, Kameradschaft, Freude und Farbe. Er war ein ehrlicher Mensch mit vielen besonderen Stärken, mit zunehmendem Alter auch mit viel Güte und Nachsicht, eine große Persönlichkeit.

 

 

 

 

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